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Eine Wanderung durch die Stadtviertel von Buenos Aires

Uncover the heart of Buenos Aires by strolling its vibrant barrios — from the artsy cafés of Palermo Soho to the cobbled lanes of San Telmo and the colorful charm of La Boca. Explore tango, local flavors and neighborhood personality that make this port stop unforgettable.

Buenos Aires hat drei Millionen Einwohner und ist die Hauptstadt Argentiniens. Sie rühmt sich genau der Art urbaner Pracht, die man bei eine so gewaltigen Einwohnerzahl vermuten würde: monumentale Statuen, öffentliche Kunst und imposante Brunnen, eindrucksvolle Boulevards (darunter die 16-spurige Avenida 9 de Julio, die breiteste Straße der Welt) und eines der weltweit größten Opernhäuser, das Teatro Colón.

Es ist daher erstaunlich, dass die 48 Stadtteile dieser weitläufigen Stadt nicht als Bezirke oder gar Stadtviertel, sondern als Barrios bezeichnet werden. Bei einem Besuch in Paris lernt man schnell das lokale Wort für Nachbarschaft: Arrondissement. Dieser Begriff – all diese zusätzlichen Buchstaben, zwei Konsonantenpaare, die gewissenhaften Betonungen – strahlt eine gewisse Genauigkeit in Detail und Vornehmheit aus.

Aber Barrio ist ein heimeliges, freundliches Wort. Es inspiriert mich dazu, die nachbarschaftlichsten Enklaven in einer gleichermaßen festlich aussehenden – sie wirkt wie voller Freude in Farbe getaucht – und gastfreundlichen Stadt aufzusuchen. Das Wort regt mich an, für eine Weile wie ein echter Porteño zu leben: ein Einheimischer in Buenos Aires.

Das Viertel Palermo Soho

Bäckerei Nucha

Nucha ist großzügig und einladend, mit einer Mischung aus schlichten modernen Elementen und der Wärme von wiedergewonnenem Holz. In der quadratisch angelegten Auslage findet sich dekadentes, skulpturartiges Gebäck und das Personal im Inneren des Quadrates schwirrt umher und kümmert sich um die Gäste.

Winzige, runde Butterkekse sind halb in Schokolade gehüllt, wobei die Schokolade kunstvoll auf die Kekse geträufelt wird. Palermo Soho ist vollgepackt mit bezaubernden Plätzen und lädt ein zum Verweilen bei einer kleinen Apfeltorte oder einem Alfajor (Doppelkekse mit Dulce de Leche) mit Kaffee oder – noch besser – mit einem Glas einer der überall im Barrio erhältlichen Limonaden (wählen Sie zwischen klassisch, Ingwer, Passionsfrucht oder Minze), die aus einem Keramikkrug in der Form eines Pinguins ausgeschenkt werden.

Ich sehe überraschend viele Pinguinkrüge in Restaurants und in den Schaufenstern von Haushaltswarenläden, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, dass Argentinien der Ausgangspunkt für Reisen in die Antarktis ist. Ich erwähne dies gegenüber einem Kellner namens Alejandro in der Loft-ähnlichen unkonventionellen Bar Querido Gonzales. Aber er zeigt auf einige andere Krüge in den Regalen und weiht mich in einen recht unehrerbietigen Humor der Porteños ein. „Einige von ihnen haben die Form von Hühnern und sogar die eines ehemaligen Präsidenten Argentiniens“, erzählt er mir lachend.

Desserts sind hier kein Luxus, sie scheinen für das blühende gesellschaftliche Leben des Barrios unerlässlich zu sein. Wenn ich in der Sonne auf einer kleinen dreieckigen Terrasse im Sans sitze, einem beliebten Kaffeehaus mit Blick auf das Wahrzeichen von Palermo, den Plaza Serrano, dann macht der Dreifach-Schokoladen-Brownie, den ich mir von einem hölzernen Landtisch ausgesucht habe, seinem Namen mehr als alle Ehre.

Als ich dies bei meiner Bedienung lobend anspreche, weiten sich ihre Augen vor lauter begeisterter Zustimmung. Im nahe gelegenen und äußerst pinken Bartola (an der Ecke Costa Rica- und Gurruchaga-Straße, einer der schönsten Kreuzungen von Palermo Soho) verweilen Freunde und Paare bei Limonadenkrügen an aqua- und rosafarbenen Tischen, die sich in die Kopfsteinpflasterstraße ergießen. Und drinnen sitzen sie an skurrilen Miniatur-Picknicktischen.

Die Happy Hour an einem Montag hier hat etwas von einem faulen Sonntagnachmittag, aber mit farblichen Explosionen: Ein paar Türen weiter vom Bartola entfernt, in der Gurruchaga-Straße, befindet sich in einem fuchsiafarbenen Gebäude eine Creperie mit Sitzmöglichkeiten auf dem Dach – die sogenannte Crêpas.

Palermo Soho ist genauso stilvoll und vornehm wie seine Namensvettern in anderen Städten (New York, London und Hongkong haben alle ihre Sohos), aber ohne jegliche Attitüde. Wenn man nach der Arbeit mit Brownies, Crêpes und Limonade vor den in Bonbonfarben gestrichenen Schaufenstern sitzt, führt das nicht wirklich zu einer Überheblichkeit.

Don Julio

Meine Erfahrungen beim Abendessen sind ähnlich gesellig. Nachdem der adrette Gabriel, Geschäftsführer von Don Julio, mir zu verstehen gegeben hat, ich solle mich wie zu Hause fühlen, führt er mich hinein und zeigt mir Regale voller Weinflaschen, deren Etiketten mit den Namen glücklicher Kunden signiert sind.

Die Flaschen verzieren die Wände und Säulen und gehen an den Wagenrad-Leuchtern entlang nach oben. Dann nehme ich ein Essen im Freien unter einem gestreiften Vordach zu mir, bei dem eines der besten Ribeye-Steaks meines Lebens serviert wird, dazu ein Malbec aus der Region und ein Tomatensalat aus alten Tomatensorten, begleitet von drei verschiedenen lokalen Olivenölen der Familia Zuccardi: Frantoio, Changlot und Aranco. Ein weiteres herzhaftes Abendessen – dieses Mal im La Hormiga in der Armenia-Straße – bietet rustikale Empanadas und üppig geschnittene Scheiben von würzigem, blubberndem Grillkäse.

Den gleichen ungezwungenen Stil und die gleiche Qualität finde ich in den Geschäften von Palermo Soho. Die Palette der Ledertaschen bei Humawaca reicht von einfach bis phantasievoll, viele mit strategischen Aussparungen und einige in der Form von Seeigeln.

Diego, der Besitzer des Ledergeschäfts Calma Chicha, zeigt mir eine Reihe von Teppichen aus ausgewählten Fellen und den klassischen Schmetterlings-Stuhl aus der Mitte des Jahrhunderts, der mit argentinischem Leder neu gestaltet wurde. Und die Kunstfertigkeit setzt sich direkt auf der Straße fort. Auf der Plaza Serrano macht der Künstler Pablo Peisa das, was er seit 20 Jahren macht: Er malt und verkauft Schilder in Fileteado Porteño während die Radfahrer vorbeirauschen. Der unverwechselbare ornamentale Stil, der etwa ein Jahrhundert alt ist, zeichnet sich durch Symmetrie, Angleichung der Tiefe und natürlich, da dies Buenos Aires ist, durch eine kräftige Farbe aus. Nachdem ich Pablos akribische, freudvolle Kunst begutachtet habe, fallen mir natürlich Fileteado in der ganzen Stadt auf.

Das Viertel San Telmo

Kunsthandwerk und künstlerischer Ausdruck sind so zentral für die Identität der Porteños, dass ich, wenn ich die Defensa-Straße in San Telmo, einem stimmungsvollen Viertel fünf Barrios südlich von Palermo, entlang laufe, alle fünf Minuten anhalten muss, um zu stöbern, zu kaufen und Geschichten zu sammeln. Die Szene ist von den Klängen der Straßenmusiker untermalt: Sänger, Gitarristen und eine besonders energische Gruppe an der Straßenecke mit einem Jazz-Saxophonisten und einem Perkussionsinstrument in Form eines Holzhockers, auf dem zufällig ein Musiker sitzt.

Das ist der Geist des berühmten sonntäglichen Straßenmarktes von San Telmo. Ich kaufe eine Ledermaske im venezianischen Stil von einem Mann namens Jorge Paganelli, der mir erzählt, dass er sechs Stunden für die Herstellung gebraucht hat, und einen Weinhalter von Edoardo, der seit 25 Jahren Leder verarbeitet und seinen Sohn in den Familienbetrieb eingeführt hat.

Ruben Rodriguez fertigt mir einen Ledergürtel an – ein Mann kann BA einfach nicht ohne einen neuen Gürtel verlassen. „Es ist Naturleder – cuero crudo – das weich gemacht wurde“, erklärt er. Ein paar Häuserblöcke weiter sitzt ein dunkelhäutiger junger Handwerker namens Mariano auf dem Bordstein und stellt Gürtel um Gürtel her. Ich frage nach seinem Namen, ob er Italiener ist. (Ganze zwei Drittel der Argentinier sind zumindest teilweise Italiener.) „Mas o menos“ – mehr oder weniger – sagt er und erklärt, dass er zur Hälfte Italiener und zur Hälfte Spanier ist.

La Boca

Etwas südlich von San Telmo liegt La Boca, ein weiteres familiäres Barrio, das in Grundfarben getaucht ist. Ja, es ist ein Magnet für Touristen, die sich Tango im Freien anschauen, aber es bietet auch eine lokale Beschaffenheit, die man nicht nachmachen kann: Ein hart umkämpftes Fußballspiel unter Jugendlichen wird vor dem Hintergrund eines lebendigen Wandbildes ausgetragen.

Da der Tango als Synonym für Argentinien gilt, halte ich vor La Vieja Rotisería an und schaue einem besonders schönen Tanzpaar zu – Eliana Rizzonelli und Nahuel Guerrero –, dessen durchdringende und doch fließende Bewegungen diese Musikrichtung definieren. Nahuels muskulöser Unterarm ist in die Luft gestreckt, dann liegt seine Hand an Elianas nacktem Rücken. Ihr Bein erhebt sich aus ihrem roten Samtkleid und wird über Nahuels Hüfte gehalten.

Ihre Augen bleiben in spürbarer Intensität verschlossen. Ich setze mich schnell hin, weil ich meinen Blick nicht von ihnen abwenden kann. Die Darbietung – dynamisch, dann kurz in der Pose eingefroren – bringt Elianas Kurven und Nahuels strenge Stärke und makelloses Profil zur Geltung.

Nach dem Auftritt, als ein Hut durch die Tische im Freien von La Vieja Rotisería wandert und sich schnell mit Pesos füllt, erklärt das Paar, dass ihre Leidenschaft echt ist: Eliana und Nahuel sind verheiratet. Auf der Bühne sind sie stilisierte Darsteller, aber abseits der Bühne sind sie lebhaft und ungezwungen.

„Du hast da oben so gemein gewirkt“, sage ich zu Nahuel. Dunkel und gefährlich während des Tangos, hat er außerhalb der Bühne ein Lächeln, das süß und jugendlich entwaffnend ist. Eliana übersetzt meine Bemerkung und beide lachen herzlich. Nahuel ist erst 27, aber sein Training und seine Körperbeherrschung ermöglichen es ihm, während des Tanzes absolute Macho-Autorität zu vermitteln. Sein Name bedeutet „Jaguar“.

Eliana sagt, dass sie einen vollen Terminkalender haben, sie machen noch einiges mehr, als in La Boca aufzutreten. „Wir sind sowohl in Ballett und modernem Tanz als auch in Tango ausgebildet und wir geben Tanzunterricht“, erzählt sie mir und erklärt, dass sie in Kürze einen Unterrichtstermin am anderen Ende der Stadt haben.

Eliana und Nahuel sind beliebte Trainer und jedem ist klar, warum. Ihr Stil verkörpert die Stadt und ihre Barrios: kühn, farbenfroh, ästhetisch präzise. Sie haben etwas – eine Magie, die sich von den Porteños unterscheidet –, das man nicht lehren kann.

Erleben Sie die Gastronomie und den Tango in Argentinien und besuchen Sie auf unseren Südamerika-Kreuzfahrten weitere fantastische Reiseziele.

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